Die EU im falschen Film?

By 19. Juni 2017News

Kommentar zum Lux Filmpreis als Beispiel einer europäischen Idee, die etwas zu schwammig geraten ist, um im großen Rahmen etwas bewirken zu können.

Cora Frischling mit Maren Ade (r.) in Straßburg © Foto von Támar Cachet

Wenn der Lehrer früher den Fernseher ins Zimmer schob, ging in meiner Klasse nicht selten ein Freudenschrei um. Yippieh! Entspannen, nichts machen, schlafen oder sich berieseln lassen. Dann schaute man eine Doku zur Veranschaulichung des sowieso behandelten Themas, die Verfilmung eines sowieso behandelten Romans oder, wenn der Lehrer verkatert war, irgendetwas nicht allzu Lautes.

Das sind so ziemlich die einzigen Momente, in denen ich in meiner Schulzeit mit Film in Berührung gekommen bin. Nachbesprechungen gab es nie über das hinaus, was man auch diskutiert hätte, hätte man der Klasse das Lesen des ganzen Buches zugetraut. Film als andere Art, Stoff zu vermitteln, also: einfacher, bildlicher, weniger aufwändig vorzubereiten. So wird Film auf sein Dasein als Medium reduziert – dabei ist es eine der jüngsten und sich am schnellsten entwickelnden Künste unserer Zeit. Also durchaus eine Betrachtung als solche wert.

Vor gut 100 Jahren in Europa erfunden, wuchs hierzulande, in Frankreich, in England sowie in Amerika rasant eine Szene experimentierfreudiger Künstler heran. Der erste Weltkrieg verhinderte jedoch den schnellen Übergang zu einer Industrie, die sich in den USA zu dem Zeitpunkt herausbilden konnte und seitdem ihre Vormachtstellung erhalten hat. Aber gleichzeitig ist dieser Import aus Hollywood ein gutes Beispiel für die Reise kultureller Konstrukte und Mythen durch das Medium Film. Wissen wir über ein anderes Land so viel wie über das Land hinterm großen Teich?