Grundlagen der Interviewführung

By 3. Februar 2016 News

Ein Erfahrungsbericht von Brian Ackermann

In wenigen Tagen steht die Berlinale vor der Tür. Bald wird die gesamte XEN.ON TV Redaktion wie ein brummender Bienenstock umherschwirren um von dem größten Filmevent Berlins zu berichten. Doch ohne gute Vorbereitung nützt einem auch die größte Schar an fleißigen Bienchen nichts. Deshalb wurde die Redaktion letzten Montag von Sprachakrobatin und Dialogmeisterin Betty Weber in die Kunst der Interviewführung vor der Kamera eingeweiht.

Typischer Workflow in der XEN.ON TV Redaktion

Typischer Workflow in der XEN.ON TV Redaktion

Seit Januar bin ich Teil des Bienenstocks und Praktikant bei XEN.ON TV. Gleich an meinem ersten Tag stand das Seminar zum Thema Interviewführung an. Das Fundament des Seminars bildete der prägende Satz von Kommunikationswissenschaftler Schulz von Thun.

„So einfach wie möglich, so übersichtlich wie nötig. Im Allgemeinen kurz und prägnant und im mittleren Maße anschaulich und anregend.“

In gemeinsamer Runde haben wir Thuns Sätze Abschnitt für Abschnitt aufgedröselt. Zunächst erschien er mir etwas generisch und nichtssagend. Nach unserer Diskussion dachte ich mir aber, dass Thuns Leitspruch wahrscheinlich gerade allgemein genug formuliert ist, um einen groben aber nützlichen Leitfaden zu liefern. Wenn es darum geht Informationen so zu vermitteln, dass sie auch hängen bleiben, muss die Balance der einfachen Sätze und Dramaturgie einfach stimmen. Ihr dürft euch den Spruch also guten Gewissens einrahmen und zu Hause an die Wand hängen.

Im Anschluss an die Theorie ging es endlich vor die Kamera. Wir haben gelernt wie man Leuten die richtigen Fragen stellt. Wie wichtig das ist, müsste jedem klar sein, der auf eine geschlossene Frage hin, schon mal mit einem simplen „ja“ abgewatscht wurde. Im Alltag ergeben sich Gespräche ohne, dass wir groß einen Gedanken daran verlieren müssen. Interviews dagegen werden geplant. Interviews sollen in eine bestimmte Richtung führen. Und Interviews sollen ganz bestimmte Antworten produzieren. Wie man fragt beeinflusst letztlich auch wie der andere denkt.

Man lernt Gedanken zu manipulieren. Und das ist sehr nützlich.

Man lernt Gedanken zu manipulieren. Und das ist sehr nützlich.

Stelle ich meinem Gegenüber eine auffordernde Frage? Dann wird er mir bestimmt viel zu schnell viel zu viel erzählen. Ob ihm das Wetter so gefällt oder er manchmal zu lange auf der Toilette sitzt. Oder baue ich meine Meinung schon in die Frage ein und stelle Suggestivfragen? Dann kann ich damit rechnen, dass der Interviewte sich gegängelt fühlt und in einer heißen Debatte bald die Stühle fliegen.

Als Sahnehäubchen zum Schluss durften sich auch Kursteilnehmer direkt vor der Kamera versuchen. Einer nimmt die Rolle des Reporters ein, die andere die von Rihanna, Will Smith oder Alligatoah. Und schon war der Versuchsaufbau komplett. Die Aufnahmen konnten anschließend gemeinsam analysiert werden. Die Handhabung des Mikrofons erwies sich dabei als besonders heikel. Man sollte es weder wild gestikulierend hin und herschwenken, noch immer an den eigenen Mund halten. An solche Fehler denkt man wirklich erst, wenn man sie selbst gemacht hat.

Betty Webers Interviewseminar am MIZ-Babelsberg war ein Erfolg. Es hat nicht nur eine gute Einführung in die Theorie präsentiert, sondern auch alle im Raum aktiv angesprochen. Wir haben als Gruppe die sperrig wirkende Theorie gemeinsam auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Als Einführung in die Grundlagen hat er uns bei XEN.ON TV alle zielsicher auf den gleichen Wissensstand gebracht. Dank Betty können wir nun mit noch mehr Selbstvertrauen die Berlinale stürmen.

Autor: Brian Ackermann